FREDI BREUNIG

Fredis Glosse

Das Heiraten früher und heute (Hochdeutsch)

05.05.2026

So, wir haben Mai – und das war früher traditionell die Jahreszeit, in der geheiratet wurde. Zumindest dann, wenn man nicht „musste“ und beispielsweise im November, Dezember oder gar im Januar heiraten musste. Das ist lange vorbei. Heiraten „müssen“ gibt es heutzutage sowieso nicht mehr, und das Heiraten an sich hat sich grundlegend verändert. Ich möchte das fast mit dem Hausbau vergleichen: Früher haben alle zusammen angepackt, man hat sich gegenseitig geholfen und war fast jeden Samstag irgendwo als Helfer auf einer Baustelle. Wenn das Haus fertig war, haben sich alle gefreut. Heut? Schlüsselfertig, 600.000 Euro. Ähnlich war es bei Hochzeiten: Es wurde aufs Geld geschaut, und obwohl man den Festtag schon früh am Morgen begonnen hat (keine „Kaffee-Hochzeit“), haben Freundinnen geholfen, die Verwandtschaft hat Kuchen gebacken, die Tanten haben gekocht, und abends waren die Gäste mit Schnitzel und Bratwürsten zufrieden. Und heute? „Hochzeit 2.0 – die Ehe als Event!“ Trauung im Freien („Trauplatz“), Wedding Planner, Drohnenvideo, Candybar, DJ, Liveband mit Saxophonist, großes Feuerwerk. Die Kirche und der Pfarrer? Wenn überhaupt, dann nur noch schmückendes Beiwerk. Ich hoffe ja, dass der „Trauplatz“ nicht deshalb so heißt, weil viele geschlossene Ehen schon nach kurzer Zeit wieder „platzen“. Was es auch nicht mehr gibt: der Brauch, am Nachmittag nach dem Kaffee die Braut zu entführen. Ich habe dazu kürzlich ein Interview mit einem der berühmt-berüchtigten Wedding Planner gelesen, der wörtlich sagte: „Brautentführung – für mich der schlimmste Brauch überhaupt! Freunde verschwinden heimlich mit der Braut von der Feier, der Bräutigam muss sie suchen und meist in einer Gaststätte freikaufen. Abgesehen davon, dass dies frauenfeindlich ist, sollte man bedenken: Das Brautpaar plant diesen Tag über Monate oder Jahre im Voraus und hat ganz genaue Vorstellungen davon. Und dann wird man getrennt von seinen Liebsten, um anschließend in irgendeiner ‚Spelunke‘ irgendwelche komischen Trinkspiele zum Freikaufen machen zu müssen.“ Ja, da fragt man sich schon, wie wir das früher alles überlebt haben! Genauso wie diese ominösen Spiele, die abends immer gemacht wurden. Das bekannteste: Die unverheirateten Frauen stellen sich hinter die Braut, und die wirft ihren Brautstrauß über den Kopf nach hinten. Annahme: Wer den Strauß fängt, heiratet als Nächste. Ich war neulich einmal auf der Beerdigung eines älteren Mannes. Ich hatte ein kleines Sträußchen dabei und dachte mir so: Was wäre eigentlich, wenn ich jetzt dasselbe machen würde wie die Braut bei diesem Spiel? Mein Sträußchen nehmen und es über den Kopf nach hinten werfen? Und wer das Sträußchen fängt, … Nein!!! Hab‘ ich dann doch nicht gemacht. Man muss ja nicht jeden Blödsinn machen, der einem einfällt. Servus, der Eustach.


<< zurück