Fredis Glosse
Blitzgescheit und brunzdumm zugleich (Hochdeutsch) | 27.01.2026 |
Im Nachhinein muss man feststellen, dass die Jungen früher – ganz früher – bei den Alten keinen besonders guten Stand hatten. Wenn ein älterer Mensch einen Jungen traf und wissen wollte, wie er hieß, fragte er das nie direkt, sondern immer indirekt. „Wie schreibt‘n sich die Vodder?“. Oder: „Bist du nedd n Emil sei Zwedder?“ So lief das damals. Vom Vater zum Sohn war der Umgang dann schon etwas besser, wie folgende Geschichte zeigt: Der 17-jährige Klaus fährt zum ersten Mal zum Zelten. Die Mutter schimpft: „Zehn Bier hat sich der Teufel eingepackt! Jetzt sag doch auch mal was, Günter!“ Darauf der Vater ganz gelassen: „Er wird dort schon noch einen Getränkemarkt finden.“ Jung und Alt – immer wieder spannend. Durch künstliche Intelligenz (KI) ergeben sich nun ganz neue Spannungsfelder. Neulich fragte ich einen älteren Lehrer, ob nicht zunehmend die Gefahr bestehe, dass Schüler ihre Aufgaben von einer KI erledigen lassen. Seine Antwort: „Die Gefahr besteht sicher. Aber wenn ein Schüler auf zwei DIN-A4-Seiten normalerweise zwölf Rechtschreibfehler macht und dann plötzlich eine komplett fehlerfreie Arbeit abliefert, weiß ich doch, was los ist.“ Vorsicht, sag‘ ich da! Wenn der Schüler clever ist, schickt er der KI einfach einen zweiseitigen Text mit seinen typischen Rechtschreibfehlern und bittet dann seinen elektronischen Helfer in Kalifornien: „Baue mir bitte genau diese Fehler auch in meinen Text ein.“ Ja, die KI – ein völlig neues, interessantes und manchmal auch sehr lustiges Feld. Ein Onkel von mir war gestürzt und hatte sich eine schmerzhafte Brustkorbquetschung zugezogen. „Wie lange tut das wohl weh?“, fragt er mich. „Einen Moment, Onkel, ich habe ja eine KI-App.“ Also tippe ich ein: „Wie lange hat man nach einer Brustkorbquetschung Schmerzen?“ Antwort: „Mit vier bis acht Wochen musst du rechnen.“ Eine Stunde später frage ich die KI: „Wie fahre ich mit dem Rad zur Kalten Buche?“ Die KI völlig spaßfrei: „Du hast doch eine Brustkorbquetschung!“ Ich: „Nein, die hat mein Onkel.“ KI: „Du hast einen Onkel?“ Ich: „Ja, und die Brustkorbquetschung wird auch wieder besser.“ KI: „Soll ich den Onkel aus der Familie löschen?“ Ich: „Nein, den Onkel nicht – nur die Brustkorbquetschung!“ Wir haben es nicht leicht mit den neuen Medien. Das Problem ist: Sie kennen dich in- und auswendig! Nachdem die Friedensnobelpreisträgerin Maria Machado neulich ihren Preis an Donald Trump verschenkt hatte und ich mich darüber furchtbar aufgeregt hatte, fragte ich die KI: „Was könnte ich Donald Trump schenken?“ Antwort: „Deine Ehrenurkunde der Bundesjugendspiele 1969 oder den Siegerpokal vom Entenrennen in Oberweißenbrunn 2002. Oder deinen Frankenwürfel!“ Meine hoch emotionale Antwort: „Ich glaub‘, ihr spinnt!!! Alles – aber den nicht!!!“ Servus, der Eustach. |
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