Fredis Glosse
Sondervermögen und flexible Liquiditätsreserve (Hochdeutsch) | 25.03.2025 |
Ich schreibe ja selten über Politik, aber heute muss es einmal sein. Es geht um all die Wohltaten, die uns die höchstwahrscheinlich neue Regierung zukommen lassen will. Zunächst wundere ich mich, dass das viele Geld, das man sich borgen will, „Sondervermögen“ genannt wird. Die, die sich über den Begriff „Bürgergeld“ mokieren, nennen neue Schulden also „Sondervermögen“. „Sonderschulden“ wäre zutreffender. Aber gut, manche Nicht-Politiker nennen es auch „flexible Investitionsreserve“, wenn sie ihr Konto überziehen. Was soll mit dem vielen Geld, neben Rüstung und Investitionen in Infrastruktur, alles geschehen? Auch Wahlgeschenke sollen besorgt werden. Die Pendlerpauschale soll erhöht werden, der Agrardiesel wieder billiger werden, die Mehrwertsteuer in der Gastronomie gesenkt und die Mütterrente erhöht werden. Dazu später noch einmal. Zunächst zu den Rüstungsausgaben. Derzeit breite Zustimmung, aber eigentlich ja ein Wahnsinn, was wir (und damit meine ich die ganze Welt!) da machen. Wir leben im 21. Jahrhundert, verhalten uns aber wie seit 2.000 Jahren. Wir haben künstliche Intelligenz, smarte Kühlschränke, die automatisch unser Essen bestellen, und Quantencomputer, brauchen aber immer noch echte, arme Menschen, die mit Gewehren in den Händen in Wäldern herumrennen und sich gegenseitig bekämpfen müssen. Läuft doch eh schon alles mit Drohnen, die sicher aus dem Hinterland gesteuert werden. Das ist gerade so, wie wenn man schon lauter vollautonome Elektroautos hätte und dann trotzdem noch einen der früheren Schupos mit einer Fahne hinstellt, der den Verkehr regelt. Genug gejammert, zurück zu den Wahlgeschenken, die jetzt bald großzügig verteilt werden sollen. Als findiger und raffinierter Rhön-Grabfelder habe ich überlegt, was jemand machen müsste, um von all dem maximal zu profitieren: Wenn er nicht schon Bauer ist, einen Bauernhof mit Bulldog kaufen oder wenigstens einen Hühnerstall aufstellen. Für den Agrardiesel. Dazu einen Job im weit entfernten Würzburg annehmen. Für die Pendlerpauschale. Dann dreimal am Tag in der Wirtschaft essen und trinken. Wegen der gesenkten Mehrwertsteuer. Und schließlich für die Mütterrente eine möglichst alte Mutter und viele Geschwister haben. Im Nachhinein zwar nicht zu ändern, aber Glück muss man halt auch etwas haben. Und noch einen Vorteil hätte es, wenn man dann einen Bulldog hätte: Man könnte, wenn die Straße mit Autos zugestellt ist, damit während eines Fußballspiels quer über einen Sportplatz fahren. Servus, der Eustach. |
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