FREDI BREUNIG

Fredis Glosse

Bratwürste (Hochdeutsch)

16.08.2022

Wir Deutschen essen im Schnitt ungefähr 30 Kilogramm Wurst und Schinken im Jahr und halten damit -wen wundert's? -einen Weltrekord. Klar: das Wurstmachen ist bei uns eine jahrhundertealte Handwerkskunst, die im Laufe der Zeit mehr als 1.500 verschiedene Wurstsorten hervorgebracht hat. Wieder ein Weltrekord! Das wir auch gerne grillen, ist kein Geheimnis und dass wir dann am liebsten Bratwürste machen, auch nicht. Aber habt ihr gewusst, dass sich der Name „Bratwurst“ nicht von „braten“ ableitet? Die Bratwurst ist nämlich nach ihrer Herstellungsart benannt. Sie besteht aus dem sogenannten „Brät“. Das ist klein gehacktes Fleisch, das für die Herstellung der Würste verwendet wird. So, genug Theorie, jetzt zur Praxis. Bratwürste kann man sich natürlich leicht daheim machen, man kann sie sich aber natürlich auch fertig kaufen. Früher hieß es immer: „Die ersten Feste im Jahr sind die besten, weil die Leute dann noch richtig Hunger auf Bratwurst haben.“ Man muss aber nicht unbedingt auf ein Fest, wenn man sich eine Bratwurst kaufen will, denn schließlich gibt es ja auch etliche fest installierte Bratwurstbuden. In Bad Neustadt war der Kromer am unteren Marktplatz („Mit Semf/Ohne Semf“, „Bittschön/Dankschön“) legendär, in Bad Königshofen haben böse Zungen immer behauptet, dass der Senf besser sei als die Wurst und in Ostheim raucht der Schlot der Bratwurstbude auch noch tüchtig. Ja, und dann gibt es ja noch das Bratwursthaus am Dreiländereck am Schwarzen Moor in der Hochrhön. Bude trau‘ ich mir zu diesem modernen Bau gar nicht zu sagen, so nobel und steril, wie es dort zugeht. Habt ihr euch dort in der letzten Zeit mal eine Wurst gekauft? Bringt Zeit mit! Ich war jetzt zwei Mal oben, es war nicht viel los (werktags), habe mir rechts ein Bier gekauft und dann links noch eine Bratwurst bestellt. Ein Drama! Der, der dort brät, zelebriert das regelrecht und hat wirklich die Ruhe weg. Er nimmt eine Wurst von einem Häufchen schon fertiger Würste (würde ich sofort nehmen, wie sie sind!) und legt sie dann links noch einmal extra auf den Rost. Dreht sie, wendet sie, wartet, dreht sie wieder. Mit einer Ruhe, dass es eine wahre Pracht ist. Fast wollte ich mir schon ein zweites Bier kaufen, bis die Wurst fertig ist. „Slow food“ im wahrsten Sinne des Wortes. Aber ich will ja nicht jammern. Schmecken tut sie, auch wenn man lange darauf warten muss. „Man muss zufrieden sein“, hat ja auch schon der Dalai Lama gesagt. Und der muss es schließlich wissen. Servus, der Eustach.


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