FREDI BREUNIG

Fredis Glosse

Gelbwurst & Co.

03.02.2015
Es gibt ja bekanntlich Geschäfte, bei denen man, wenn man dort einkauft, am Ende etwas geschenkt bekommt. Jeder will schließlich seine Kundschaft halten und revanchiert sich für Einkauf und Treue. Michl Müller's Gelbwurst-Song ist schon legendär und beschreibt, wie es beim Metzger für die Kinder immer eine Scheibe Wurst gibt. Die Kaffeebohne und das Glas Wasser in einem Café sind fast schon selbstverständlich und der Glückskeks beim Chinesen oder Mongolen gehört auch irgendwie dazu. Vom Ouzo beim Griechen ganz zu schweigen. Alles, was ich bis jetzt angeführt habe, ist kein Problem. Man bekommt es hingestellt oder nimmt es mit und fünf Minuten später ist es gegessen oder getrunken. Ganz anders verhält es sich mit den berühmten Tempo-Taschentüchern in meiner Apotheke. Macht zur Zeit wegen der Grippewelle Riesengeschäfte und haut die Taschentücher raus, dass es nicht mehr feierlich ist. Wenn man wie ich ein paar Jahre lang nicht mehr in einer Apotheke war, freut man sich ja noch über das erste Päckchen. Kann man schließlich gut gebrauchen. Kurze Zeit später, beim zweiten, dritten und vierten Mal innerhalb kurzer Zeit, ist es auch noch kein richtiges Problem, weil man die Päckchen Nummer zwei, drei und vier gut verteilen kann. Eines ins Auto, eines auf das Nachtkästchen, eines in die Jackentasche zum Beispiel. Wenn du dann aber zum fünften Mal hin kommst, wieder das berühmte Päckchen Taschentücher in das Täschchen mit deiner Arznei gesteckt bekommst, fängt es an. Wegschmeißen will man es nicht, so ist man nicht erzogen. Verschenken geht auch nicht, weil ja jeder das gleiche Problem hat und selber nicht weiß, wohin mit den flauschig-weichen Dingern. Als Routinier fängt man dann an, zu taktieren. Man hat herausgefunden, dass es, wenn die Arznei in ein Plastiktäschchen kommt, nie ohne das berühmte Päckchen Tempo-Taschentücher abgeht. Also sagt man schon gleich ungefragt, dass man kein Täschchen braucht. Man bezahlt, bedankt sich, dreht sich herum und denkt: "Jou!!! Keine Taschentücher!" Ungefähr auf halber Strecke zwischen Theke und Ladentür dann der Ruf, wie ein Stich ins Herz: "Moment! Ein paar Taschentücher?" Man bleibt wie vom Blitz getroffen stehen, setzt ein süß-saueres Lächeln auf, dreht sich herum und sagt freundlich: "Ja, gerne!" Und überlegt im selben Augenblick krampfhaft: Wo hin daheim mit Päckchen Nr. 23? Servus, der Eustach.

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